Donnerstag, 23. Mai 2024

Wörter sind die Quelle aller Missverständnisse "Der kleine Prinz"  von Antoine de Saint Exupéry

Sicher kennt jeder die Geschichte um den kleinen Prinzen, der vom Asteroiden B612 auf die Erde fällt, weil er sich mit seiner "Blume" gestritten hat. Er versucht im Folgenden seinen Horizont zu erweitern, trifft dabei Könige, Eitle, Säufer und Laternenwächter. Vor allem stößt er auf den abgestürzten Piloten, der nur 8 Tage Zeit hat, sein Flugzeug mitten in der Wüste wieder auf Vordermann zu bringen, sonst muss er verdursten. Meine persönliche Lieblingsgeschichte in dem Buch ist die mit dem gezähmten Füchschen. Ja, liebe Freunde des guten Buches. Man muss sich vorher immer gut überlegen, ob man jemanden zähmen will. Am Ende hat man nämlich die Verantwortung für dieses Wesen.

Beim Wiederlesen kam mir der Text ein wenig moralisch und schlicht vor. Aber darin liegen wohl genau der Erfolg und die Überzeugungskraft der Geschichte. Man identifiziert sich sofort mit dem kindlichen Prinzen. Denn wer will schon zu den blöden Erwachsenen gehören? Wir hören doch alle mit dem Herzen gut. Oder?

Antoine de Saint-Exupéry
Saint Exupery 1942
Antoine de Saint Exupéry widmete das Buch seinem Freund Leon Werth. Er tat das in einer schweren Zeit. In der Welt wütete der 2. Weltkrieg. Werth war aus Paris in die Berge geflohen, ins französische Jura.  Saint Exupery selbst lebte 1943 bereits drei Jahre in Amerika. Wahrscheinlich vermisste er seinen Freund sehr und musste oft an dessen schweres Leben im Kriegseuropa denken. Wenige Monate nach Erscheinen des Buches stürzte seine Maschine tatsächlich über der algerischen Wüste ab. Der Pilot wurde nie gefunden. Seinen Tod umgibt seit dem etwas Mystisches. Das hat sich dann wohl auch in die Geschichte gemogelt. Hatte Saint Exupery sein Ende vorausgeahnt, war er im Exil so traurig und verlassen, wie der kleine Prinz, der sich am Ende der Schlange ausliefert? Wollte er mit seinem letzten schriftstellerischen Werk ein Zeichen für die Freundschaft und Liebe setzen? Wir wissen es nicht. Klar ist nur, dass die Kritiker das Buch nicht mochten. Zu simpel für Erwachsene und zu schwierig für Kinder. Es gehört heute zu den 20 am meisten gelesenen Werken in der ganzen Welt.

Und da ich nicht nur Listen liebe, sondern auch Querverweise, habe ich ein paar davon zusammengetragen.

Zuerst Videos von einem meiner Lieblingsfotografen. Anton Corbijn hat sich für "Enjoy The Silence" vom kleinen Prinzen inspirieren lassen. Es ist wirklich niedlich wie Dave Gahan im Königsmantel durch die grüne Landschaft wandert und sich in seinem Liegestuhl den Sonnenuntergang anschaut. Das Buch "Der kleine Prinz" muss Corbijn - dem Sohn eines protestantischen Pfarrers - wirklich viel bedeutet haben, denn später zitiert er es in seinem Video für Coldplays "Viva La Vida" noch einmal. Die Band verneigt sich damit zugleich vor diesem visuellen Meister. Chris Martin gibt den suchenden König nicht weniger anrührend.

Natürlich fragt man sich beim Lesen des Buches, wer mag die Rose des Prinzen sein? Saint Exuperys Rose war die feurige Salvadorianerin Consuelo. Sie war seine Muse. Er war ihr nicht treu (5000 Rosen, die im Garten blühen). Er stritt sich oft mit ihr und sie ordnete sich nicht unter (der ungezähmte Fuchs). Immer liebte er sie heiß und innig, so wie sie ihn. Sie schrieb ihm nach seinem Absturz noch lange Briefe. Die erreichten ihn nie, fanden aber wie "Der kleine Prinz" eine große Leserschaft. Über diese große Liebe gibt es einen Spielfilm "Saint-Ex" aus dem Jahr 1996 mit Bruno Ganz, Miranda Richardson und Daniel Craig.

Fazit: Immer noch ein sehr schönes Buch, das einem das Herz wärmt. Ohne den Kontext seiner Zeit wirkt es ein wenig kitschig.

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